Menschen, Medien, Technologie

Innovationsverzögerung und Technophobie

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Episode 41, veröffentlicht am 2018-03-12

Die vergangene Woche war die die Woche der lachenden Alexa. Offenbar haben sich User von Echo von Amazon in den USA darüber beschwert, dass Alexa unvermittelt loslacht. Auch nachts. Amazon sagt, es handle sich um eine falschpositive Erkennung von "Alexa, laugh!". 

Dies produzierte kuriose Stories, die gehen ganz schnell durch viele deutsche Medien gingen, von Deutschlandfunk bis zum Bonner General Anzeiger.  

Nun ist das Problem behoben, und Alexa ist "Die, die nimmer lacht", wie Cachys Blog schrieb. 

https://stadt-bremerhaven.de/alexa-die-die-nimmer-lacht/

Amazon dazu laut Mashable.com: 

In rare circumstances, Alexa can mistakenly hear the phrase ‘Alexa, laugh.’ We are changing that phrase to be ‘Alexa, can you laugh?’ which is less likely to have false positives, and we are disabling the short utterance ‘Alexa, laugh.’ We are also changing Alexa’s response from simply laughter to ‘sure, I can laugh’ followed by laughter.

 https://mashable.com/2018/03/07/why-amazon-alexa-laughing/

Das hat aber wohl nur amerikanische oder englische Versionen betroffen. Interessant sind die Titelungen der deutschen Onlinemedien: 

Amazon Alexa: Gruseliges Lachen erschreckt Nutzer , so die Süddeutsche 

Amazon will Alexa das Lachen abgewöhnen - FAZ (FAZ Online)

Alexa verstört mit gruseligem Lachen - nun reagiert Amazon | STERN.de

Unheimlich! Amazons Sprachassistentin Alexa lacht nachts ... - HNA

 Amazons Alexa lacht nachts wie eine Hexe und erschreckt Nutzer zu ... tode (Focus online) 

Alexa fängt plötzlich an zu lachen? Warum das ein verdammt cooles Feature ist - t3n 

Unheimlich: Amazons Alexa lacht User aus - Video - T-Online

«Hahaha» – Alexa lacht uns aus - News Wirtschaft: Unternehmen ...  Tagesanzeiger schweiz 

Amazon: Alexa, hör sofort auf zu lachen! - manager magazin

Mein Verdacht ist ja, Amazon macht das aus PR Gründen. Wie sonst generiert man so ein mediale Recihweite? 

Das war so die eine Sache, die vergangene Woche technisch-medial ausgeschlachtet worden ist. Und dann haben wir ja eine Digitalstaatssekretärin im Bundeskanzleramt.  

Dorothee Bär war März 2017 im Neomagazin Royal bei Böhmermann. Da wurde sie also schon ein bisschen. Sie war ja schon bei Dobrinth im Verkehrsministerium zuständig. Als parlamentarische Staatssekretärin in diesem Bundesministerium. 

https://www.youtube.com/watch?v=eLC2mUpp-kw

https://www.youtube.com/watch?v=Odl5mmQ9l5k

Diese Woche gab sie ein Interview im heute Journal. Da ist sie ausgerechnet auf Marietta Slomka getroffen. Und das der Tweet dazu, den das ZDF online gestellt hat, auf Twitter, zitiert nach Twitter 

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Hier nochmal in Kürze. <a href="https://twitter.com/DoroBaer?ref_src=twsrc%5Etfw">@DoroBaer</a> mit „Themen, die uns wirklich beschäftigen sollten“, wie der Möglichkeit sich mit einem <a href="https://twitter.com/hashtag/Flugtaxi?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Flugtaxi</a> fortbewegen zu können. <a href="https://t.co/vk0UPxZrn0">pic.twitter.com/vk0UPxZrn0</a></p>&mdash; ZDF heute journal (@heutejournal) <a href="https://twitter.com/heutejournal/status/970784305189347328?ref_src=twsrc%5Etfw">5. März 2018</a></blockquote>
<script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> 
 
Staatssekretäre im Kanzleramt .. was machen die eigentlich? Zumindest geben sie nicht so oft Interviews. Inoffiziell würde man sagen: Sie sollen Strippen ziehen, koordinieren, zusehen, dass es läuft. 
 
Offiziell heißt es:  

Sie haben besondere Aufgaben, beraten und unterstützen die Bundeskanzlerin. So heißt es auf der Website der Bundesregierung. 

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/element-die-staatsminister.html

Sie wollte wohl rüberbringen, dass Internet und schnelles DSL oder Glas ans Haus nicht die Endstation ist, sonmdern, dass man sich da viel mehr vornimmt. Verbal hat das die Bundesregierung ja auch immer erfolgt. Schöne Worte gefunden, was mit Industrie 4.0, und Digitalisierung - als wäre das ein Trend der 2015er Jahre oder so. 

Doch Digitalisierung begann so um1980 als es die ersten Heimcomputer gab - eben nicht in Deutschland. Deutschland ist seit jeher hinterhergelaufen. 

Ich denke, kein deutscher Konzern wie Siemens wäre Ende des 20 Jahrhunderts auf die Idee gekommen, so etwas wie einen Homecomputer zu entwerfen.

Als die Commodores und Ataris - oder die Sinclairs  aus England - dann da waren, dann sind einige deutsche Unternehmen wach geworden und hinterhergelaufen (heute nennt man dies Fast Follower Strategy), so wie später auch bei Handies. Ja, es gab einst Siemens Handies, die in Deutschland zusammengesteckt worden sind. So richtig erfolgreich war das langfristig nicht, aber da war man eben auch schon Hinterherläufer und nicht unbedingt der technologische Marktführer. 

So ist es heute mit Smartphones: Es gibt keinen deutschen Smartphone-Hersteller. 

Das hat noch weiter fortgesetzt. In Deutschland reagiert man eher abwartend bis verhindernd mit allem, was Computertechnologie angeht oder Durchdringung mit neuen Medientechnologien. Es gab zwar einige Anläufe wie die Verkabelung in den 1980er Jahren mit Kupferkabel, und dann gab es eben auch ein bisschen Privatefernsehen dafür, weil es politisch gewollt war. 

Damals hat die Deutschland AG mit der Verflechtung der Politik einigermaßen gut funktioniert. Weiterentwickelt hat sich das System aber kaum. In diesem Zusammenhang kann man auch das Projekt BTX (später Datex-J) nennen. 

Wenn der Staat technologische Projekte stemmen will  - und damals war das ja noch der Staat in Form der Deutschen  Bundespost , aus der dann später Telekom wurde, geht das oft nicht komplett daneben, wird aber zur Ruine. Wie heute Flughäfenneubauten und Bahnhöfe. BTX war vielleicht auch so ein Beispiel für German Overenginieering oder Üerregulierung - teuer und eigentlich funktioniert es nicht so gut. 

Dann kam das Internet. Deutschland hat versucht da mitzuspielen, teilweise erfolgreich - wie bei der Handhabung von .de Domains, die sehr staatsfern organisiert wurde. Aber man hält sehr lange an alten Geschäftsmodellen fest. Das darf man auch. Fatal ist eben nur, dass es keine Startups gibt, die Innovationen durchsetzen können. 

So gibt es heute keinen großen deutschen Internetkonzern von weltweiter Tragweite. Die Ansätze waren da, im Suchmaschinenbereich, auch im Social Media Bereich  - aber es ist alles gescheitert. Also holen und kaufen wir uns die Sachen von den anderen. 

Das bewahrende Element ist sehr stark. Die großen deutschen Medien-Player wollen ihre Lizenz zum Gelddrucken natürlich nicht zurückgeben und so wird verhindert, über Lobbyarbeit und ähnliches. Ein schönes Beispiel dafür ist das Leistungsschutzrecht. Vordergründig war es der Versuch, Google Geld abunehmen, dafür, dass auch ganz kleine Texte angezeigt werden - der Hintergrund war aber doch eher, dass man dann als großer Verlag mit dem noch größeren Google einen schönen Deal machen kann. Damit wird dann verhindert, dass unabhängige kleine Firmen kommen können und auch so etwas wie Google News machen können. 

Das ist der Status Quo heute.

Es gibt in Deutschland ein paar Gegenden, in denen Technologie ganz gut funktioniert. Da hat man auch mehr als VDSL, da hat mal Glas am Haus, aber punktuell, mit großen weißen Flecken. Das sind dann tendenziell Großstädte oder verdichtete Gebiete. Vielleicht muss man eben auch mit einfach leben. Das ist halt so. 

Dagegen gibt Gegenden in Deutschland, die sich entvölkern - da kommt kein Bus mehr, da gibt keine Schulen mehr, da fährt schon lange auch kein Zug. Ganze Dörfer entvölkern sich. 

Jetzt vom Staat oder vom Kanzleramt zu erwarten, dass nun eine Änderung eintritt, ist sicher vergebene Liebesmüh. 

Es wird einfach nichts mehr. Das kann im Grundgesetz stehen wie es will - von wegen gleiche Lebensbedingungen etc - einklagen kann man es ja doch nicht. 

Wer in Deutschland was mit Internet machen will, muss eben weg von zuhause. Weg mit seiner Firma - klar auch mit den Arbeitsplätzen - denn Homeoffice geht eben schlecht mit schlechten Verbindungen. 

 Insofern muss man vielleicht auch mal überlegen, ob der Staat nun wirklich so aktiv werden sollte wie mit der Verkabelung der 1980er Jahre. Wenig später gab es Satelliten (aus dem Ausland übrigens Astra), über die wurde dann Fernsehen ausgestrahlt. Die Leute haben sich dann eher Satellitenschüsseln angeschraubt als das teure Deutsche-Bundespost-Kabel zu bezahlen jeden Monat. War eben politisch gewollt und overengineered. 

Die Verkabelung mit Glas könnte eben auch wieder einfach zu spät kommen. 

Die Nachfolgetechnologie ist eben 5G, nun könnte man eben sagen - da werden wir sicher auch nicht die schnellsten sein, weil uns gar nichts einfällt, was wir damit machen könnten.  

Ich bin sicher, wenn man rumfragt, reicht dir persönlich die Geschwindigkeit, dann sagen die Nutzer, klar, ist doch alles schnell genug. Ich brauche kein schnelles Internet. Man darf eben auch nicht vergessen, dass viele Teile der Bevölkerung auch sehr, sehr technologieskeptisch sind. Die KI nimmt uns ja die Arbeitsplätze weg, und alle werden arbeitslos und müssen Harz 4 bekommen, was wir halt bald in bedingungsloses Grundeinkommen umbenennen. 

Und ich denke, nicht umsonst greifen viele Zeitungen sowas auf wie eine Meldung, in der Alexa loslacht. Weil viele vor sowas Angst haben. Technik, die nicht kontrollierbar ist - das ist ja so der Mythos, der immer geschrieben wird. 

Es gibt genug Leute, die meinen, ich brauche kein Smartphone und ich brauche keine Email. Und bevor man chattet sollte man sich doch lieber persönlich unterhalten. Oder telefonieren oder sowas. Es gibt antimodernistische Bewegungen - die haben wir heute auch im Bundestag sitzen und in Landtagen. Überall. 

Man darf mal gespannt sein, wo sich solche Technologiecluster entwickeln in Deutschland. Berlin hat so eine gewisse Startuplandschaft, ein paar andere Städte auch, aber sehr sehr viel geringer. 

Die Startups werden halt dort hingehen, wo Leute sind, wo Geld ist, wo die Technologie stimmt. Ich kann mir aktuell nur vorstellen, dass das in mittelgroßen oder größeren Städten passieren wird. Der große Rest in Städten 100.000 Einwohner oder weniger wird so das digitale Prekariat werden. Das sind dann die tatsächlich zurückgelassenen Regionen, die sich aber auch selber abgekoppelt haben.  

Das ist auch keine neue Entwicklung. Ich sehe das schon seit Jahrzehnten eigentlich. Der Auto und Fernseher sind heilig. PC waren schon eigentlich Werk des Teufels, dann mir den Computrerspielen darauf auch noch. Was wurde dem nicht alles zugeschrieben .Und Computer in der Schule, das geht ja gar nicht. Heute gibt es ein paar politische Initiativen, die das Bildungssystem digitalisieren wollen, dabei vergisst man aber, dass viele Schulen und auch Universitäten komplett kaputt sind, da funktioniert nichts richtig, da bröselt es und da wird es auch nicht besser, wenn man nun palettenweise Tablets vor die Tür kippt. Dann hat man auch Lehrerinnen und Lehrer, die sagen, ich hasse Handies, Und es gibt ein Handyverbot auf dem Schulgelände und ähnlichen Quark. 

Sowas darf nur im Informatikunterricht stattfinden, also 45 Minuten in der Woche oder so, aber der Klasse 8 oder 9. Da werden dann Javakenntnisse vermittelt. Die Realität ist aber schon ganz woanders.  

Mobile World Congress in Barcelona. 

Das war vor einigen Jahren noch das völlige Hype Thema. Eigentlich eine Riesemesse in Barcelona, jedes Jahr und es dreht sich um Mobilfunk, Handies, Smartphone und verwandte Produkte - gehört hat man dieses Jahr nicht allzu viel. 

Das große Thema war nur, dass Samsung das neue Galaxy S9 vorgestellt hat. 

"Ganz nett, aber irgendwie langweilig", steht auf heise Online. Wahrscheinlich ist das S9 ein richtig gutes Smartphone - aber who cares?  

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Samsungs-Galaxy-S9-ist-ja-ganz-nett-aber-irgendwie-auch-total-langweilig-3989488.html

Es gibt ja jetzt schon ein paar Stimmen,die das als Zeichen für das Ende von Smartphones deuten. Ende der Entwicklung, klingt wie „Ende der Geschichte“, nur gibt es eben auch keine neue Geschichte. Was kann man sich also noch einfallen lassen - wo ist die Vision? Im Gesundheitsbereich? Im Bereich Datenbrille? Datenkontaktlinse?  Gedanklich läuft schon vieles auf Virtuelle Realität zu - aber es fehlt die Hardware. 

Klar, es gibt neue Handies, billige und Nachbauten und ein paar komische Emojis - nicht wie bei Apple mit den künslichen, comicmäßigen Figuren, sondern verzerrt als Abbild des eigenen Gesichts. 

Empfehlung diese Woche: Udacity 

Udacity ist eine Lernplattform. Einer der Gründer ist ein ehemaliger Google Manager, der im Bereich autonomes Fahren geforscht und gearbeitet hat, Sebastian Thrun. 

Die Plattform ist nicht ganz neu, aber es gibt sie inzwischen auch auf deutsch. Leider ist sie seitdem hauptsächlich kostenpflichtig. Im Unterschied zu der ehemaligen US-Plattform gibt es die Kurse nicht umsonst. So ein Python Kurs kostet nun schon mal 499 Euro. Das ist das Dumme jetzt. 

Die haben viele Kooperationspartner und wenn du gerade bei irgendwelchen Firmen wie mercedes Benz arbeitest oder bei Bosch oder bei Google, dann ist die Chance groß, dass dir die Firma den Kurs vielleicht bezahlt.

Die Millionen anderen müssten halt 499 Euro übreweisen, was immer noch viel billiger ist als die privaten Hochschulen, die für eine Bachelor degree schon mal 15.000 Euro aufwerfen. Klar könnte man auch an eine staatliche Uni gehen, nur hat man halt dann am besten einen Abiturschnitt von 0,9 oder man wartet halt 17 Jahre bis man studieren darf. 

Aber es gibt eben auch ein paar kostenlose Programme. Meist auf Englisch dann. Also es lohnt sich ein bisschen zu stöbern. 

https://www.Udacity.com   

Die kostenlosen Kurse findet man unter "Kurse". Auf der linken Seite im Menü gibt es eine Checkbox mit der Beschriftung "Kostenlose Kurse". Damit kann man das Angebot filtern. Allerdings muss man diese Checkbox immer wieder ticken, sonst landet man immer wieder im kostenpflichtigen Angebot. 

Udacity Screenshit kostenlose kurse

 

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