Menschen, Medien, Technologie

Social Media Krise

ein Bild
Episode 38, veröffentlicht am 2018-02-19

Social Meda Krise - das klingt drastisch. Muss man  damit rechnen, dass Facebook, Instagram oder Twitter nun eingehen werden? Wohl nicht. Dieses soziale Element, das Verknüpfen von Usern in der Community ist sehr mächtig. Das Credo jeder Community, Share Passions, find Friends ist immer noch eines der wesentlichen Motive zur Nutzung vieler Produkte im Internet.

Wir sehen aber auch, dasses gesellschaftsweit Kritik an einigen Stellen gibt. Da haben wir all den Hass und den Schmutz in den sozialen Netzwerken, so dass nun auch Gesetze speziellfür strafbare Inhalte in Facebook und co. existieren. Beispiel:  Sascha-Lobo-Podcast, der in seiner Spiegel-Netzwelt Kolumne den Trend beschreibt, dass es einen Rückzug ins Digitale Private gibt.
 
Zugleich lesen wir, dass die jungen User Facebook den Rücken kehren und  sich bei Snapchat o.ä. versammeln und Facebook sozusagen vergreist.
 
Eine ähnliche Dynamik erleben wir mit den Gruppen auf Facebook. Dies sind ja Umfelder, in denen man nicht unbedingt von Öffentlichkeit sprechen möchte.  
 
Eine andere kritische Meldung kommt von Unilever: Der FMCG-Riese mit acht Milliarden Dollar Marketingbudget im Jahr droht, die Budgets aus Social Mediawegzuverlagern, wenn da weiter gehetzt und beleidigt wird. Keith Weed, das ist der Marketing Chef bei Unilever hat die sozialen Netzwerke mit einem „Sumpf“verglichen, in Bezug auf die Transparenz. Unilever vertreibt unter anderem Domestos, Persil, Dove, auch Lebensmittel.
 
In welche Werbekanäle die enorme Summe von acht Milliarden Dollar pro Jahr fließt, ist nicht so ohne weiteres zu durchschauen angesichts der vielen Unilever-Brands. Mit solchen Kunden will man es sich nicht verscherzen. Andererseits gibt’s eine gegenseitige Abhängigkeit: Auch ein Fast-Moving-Consumer-Goods-Riese braucht die Werbeflächen in der digitalen Sphäre, weil die alten Kanäle Fernsehen und Print an Reichweiteverlieren. Und da gibt es zwei Anbieter, an denen man nicht vorbeikommt: Facebook und Google.
 
Es könnte also so eine Art Sonntagsrede gewesen sein, denn wo soll Unilever sonst die Marken inszenieren? Auch wenn man sich mal ansieht, was Facebook so umsetzt. Der Umsatz aus Q4 2017 betrug fast 13 Milliarden US-Dollar - in einem Quartal.

Der Facebook Newsfeed ist aktuell mit Inhalten von Publisher gefüllt. Publisher refinanzieren ihre Inhalte durch Werbung, was zunehmendschwieriger wird. Instant Artciles scheinen nicht so gut zu funktionieren. Facebook kündigt an, mehr Inhalte zu zeigen, die die Freunde generiert haben, nicht die Pages und nicht die Publisher. 

Was wird also aus den Sozialen Netzwerken? Verschwinden sie? Wandeln sie sich? Werden sie bereinigt? 
 
Vielleicht haben die meisten User sozialer Netzwerke auch erfahren, dass es für den Rest der Menschheit völlig irrelevant ist, wo sie gerade sind, was sie essen, welche Sportart sie treiben. Für manche Leute ist das hoch relevant, etwa für das persönliche Umfeld, das man eh schon hat.
 
Eines hat Facebook eben nicht geschafft: Leute, die sich nicht aus dem echten Leben kennen, wirklich miteinander in Kontakt zu bringen. Es ist zum Beispiel sehr, sehr selten, dass man Leute aus anderen Ländern vorgeschlagen bekommt. Dies wäre eine Riesenchance. Wenn Facebook die Intentionen der User kennt, sollte man eigentlich auch ähnliche Profile überall auf der Welt finden. So ist es nur ein Verbindungstool um Leute wiederzufinden, die man ohnehin schon kennt. 
 
Man könnte Leute mit gleichen, überschneidenden oder sich ergänzenden Interessen zusammenbringen. Die Verständigung über Sprachen hinweg könnte mit einer automatischen Übersetzung bewerkstelligt werden. Aber so funktioniert Facebook eben nicht. 
 
Statt Weiterentwicklung und Innovation wie man es in den Vorjahren gewohnt war, beobachten wir bei Google und Facebook aktuell eher eine Art "In-Deckung-gehen". Tech-Konzerne in den USA werden aktuell von links und rechts angegriffen. Die Zeichen stehen auf Regulierung und - auch das wird ernsthaft diskutiert - auf Zerschlagung. 
 
Der konservative Invest-Milliardär Peter Thiel (u.a. PayPal), Supporter der Trump-Kampagne, hat angekündigt, das Silicon Valley zu verlassen. Er deinvestiert und verlagert Firmensitze. Dies sagte der dem Wall Street Journal und erhob die Kritik, im Valley herrsche eine "One-Party"-Situation. Alle Tech-Konzerne werden eher dem liberal-linkem Spektrum zugeordnet.  
 
 

Weitere Shownotes 

Facebook analysiert übr VPN gesicherte Nutzerdaten 

Neue WhatsApp-Betaversion erlaubt den Download des usergenerierten Inhalts

https://www.com-magazin.de/news/whatsapp/whatsapp-legt-gesammelte-nutzerdaten-offen-1472809.html

Alexa will nicht "Nippel" sagen

https://www.bild.de/digital/multimedia/amazon/alexa-amazon-nippel-54804094.bild.html

Alter am Fingerabdruck  erkennen (zumindest kleine Kinderfinger) 

https://m.heise.de/newsticker/meldung/Alterserkennung-anhand-der-Finger-soll-Kinder-von-Erwachsenen-Inhalten-fernhalten-3969054.html

Neue Chrome-Browser-Version setzt den Better-Ads-Standard durch und blockt Werbeformen nach Warnung 

https://m.heise.de/newsticker/meldung/Chrome-Browser-blockiert-nervende-Werbung-3969381.html

Man kann die GEZ (Rundfunkbeiträge) nicht bar bezahlen 

https://m.heise.de/newsticker/meldung/Rundfunkbeitrag-Richter-sehen-kein-Recht-auf-Barzahlung-3967944.html