Menschen, Medien, Technologie

Basic Attention

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Episode 34, veröffentlicht am 2018-01-22

Messen Einschaltquoten tatsächlich die Aufmerksamkeit der TV-Zuschauer?

Diese Woche gab keine TV Quoten. Inzwischen wurden sie nachgereicht. 

Es wäre schlimm gewesen: Nicht auszudenken, wenn keiner wüsste, wie viele Leute das Dschungelcamp gesehen haben. Schließlich wird dies ausschließlich dafür veranstaltet und produziert, um möglichst hohe Einschaltquoten zu generieren. 

Jetzt ist eine Diskussion darüber aufgekommen, ob man den diesen Messungen und Hochrechnungen glauben kann.

Es gibt 5.000 Haushalte, in denen die TV Nutzung dokumentiert wird. Vor Ort, in den Haushalten, erfolgt die Erfassung der Daten teilautomatisch. Die Testpersonen sollen ihre TV-Nutzung zusätzlich zur Erkennung des eingeschaltenen Programms dokumentieren. Die Übertragung der gesammelten Daten erfolgt nachts. Hier kam es zu einer bedeutenden Störung. 

Die Frage ist, ob wirklich die Dokumentation vor Ort der Nutzung entspricht, also ob die Leute tatsächlich beziehungsweise mit welcher Aufmerksamkeit zusehen. Oder eigentlich etwas anderes machen und das TV-gerät sorgt nur für eine Hintergrundbeschallung. 

Die TV Sender zahlen für ihre eigene Erfolgsmessung. Die Frage ist jedoch: Was wird das eigentlich gemessen? 

Gfk macht ja einiges an Marktforschung und generiert so um die 1,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Brave-Browser belohnt User für ihre Aufmerksamkeit 

Um Aufmerksamkeit geht es auch in einem weiteren Projekt, über das wir in Episode 34 sprechen: Der Brave-Browser nutzt sogenannte Basic Attention Tokens, um mit ihnen Webseitenbesuchern die Möglichkeit zu geben, dem Webseitenbetreiber oder auch einem Youtuber  direkt eine festgelegte, kleine Summe zukommen zu lassen - statt Werbung. 

Wir sprechen über den Browser, der auf Chromium (Google-OpenSource-Projekt für Browser) basiert. Dahinter steht ein Projekt steht, welches das Potential hat, die Online-Werbelandschaft zu verändern.

Im Brave-Browser sind wie in einigen anderen modernen Webbrowsern Anti-Tracking- und Adblocking-Features integriert. Zusätzlich jedoch verfügt Brave über eine Wallet, in der sogenannte Basic Attention Tokens (BAT) verwaltet werden.

Brave blendet in Webseiten integrierte Werbung (Banner etc.) aus und zeigt eigene Ads an. Dafür bekommt der betrachtende User allerdings einen Teil dessen, was der Werbekunde ausgibt, ausgeschüttet. So kann sich die eingebaute Wallet füllen.

Zudem kann man als Brave-User festlegen, dass man auf teilnehmenden Seiten aus dieser Wallet eine festgelegte Summe an den Seitenbetreiber überweist. Dies passiert automatisch im Hintergrund, wenn man eine Website oder ein Youtube-Konto besucht.

Initiator des Brave-Projekts ist der Mozilla-Mitbegründer Brendan Eich. Aktuell schüttet Brave als Promotion für User des Browsers eine Million BATs aus. Jeder kann einige BATs bekommen.

Link zum Projekt: https://brave.com/million/

Link zur Roadmap des Projekts: https://basicattentiontoken.org/bat-roadmap-1-0/

Werbeblocker, - eigene Anzeigen

Das Bezahlmodell ist ein Micro Donation System, das auf Blockchaintechnologie (Etherum) basiert.

Wenn ein User sich Werbung ansieht bzw. mit dem Creative interagier, werden die Einnahmen geteilt (das, was der Kunde für die Conversion ausgibt): Die Aufteilung soll  70% für den Webseitenbetreiber vorsehenm, 15 % bekommt User und 15% für Brave. 

Brave hat 2018 einiges vor. Die Hauptpunkte der Roadmap sind nach NASA Weltraummissionen benannt: Gemini, Apollo, ...

Initiator ist Brendan Eich, Mitbegründer Mozilla und einer der wesentlichen Personen die die Überführung des freigegebenen Netscape Browser Codes in die Open Source Welt vorangetreiben haben. 

Webseitenbetreiber beziehungsweise Publisher können sich registrieren lassen, um am Brave-Programm teilzunehmen und kommen dann dafür in Frage, Empfänger direkter Microbezahlungen von Usern über den Brave-Browser zu sein. Zu den ersten Publishern gehören CBS, CNN, Fox news, Huffington Post, MSNBC, Time. Deutsche Publisher waren noch nicht zu sehen. 

Versionen des Brave-Browser gibt es auch für Linux, MAC OS und für mobile Geräte unter Android und IOS. 

Das Thema, User für ihre Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich Werbung anzusehen, ist nicht neu. Ein deutsches Startup, admeee, greift diese Idee auch auf, wenn auch in anderer Form, eher mit Gamification-Prinzipien (https://www.appannie.com/de/insights/user-acquisition/weighing-benefits-reward-focused-ua/)

Auch andere Browser enthalten Adblocking- und Antitracking-Features. Insbesodnere Mozilla experimentiert mit dem Firefoxbrowser und einer Integration von Cliqz, mit dem Werbeeinblendungen in Form von Empfehlungen vorgenommen werden können. An Cliqz (Startup aus München) sind Mozilla und Burda beteiligt. 

Nochmal besucht: Die deutsche Quora-Version

In Epsiode 34 werfen wir einen kurzen Blick auf Quora. Dies ist eine sogenannte Question and Answer-Community, die vor einiger Zeit Expansionen angekündigt hat und eine deutsche Version ausrollte. Im vergangenen Jahr hatten wir das Thema Q&A-Communities in Episode 11. Anlass war ein Bericht auf Berlin Valley (https://berlinvalley.com/interview-adam-dangelo-quora/). 

In der vergangenen Woche gab es keine TV-Einschaltquoten. Anlass für die Frage, wie gut dieses Messinstrument eigentlich funktioniert und welche Wirkung es hat. 

Weitere Shownotes

WhatsApp

Es gibt eine neue Version, WhatsApp Business, für Unternehmen. Für viele Online Marketer ist WhatApp eine Möglichkeit, die schwindende generische Reichweite ihrer Facebook-Pages zu kompensieren. 
https://www.whatsapp.com/business/

Facebook
Das soziale Netzwerk meldet das Aus für den Assistenten "M", der mit menschlicher Unterstützung arbeitete. 
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-schickt-KI-Assistent-M-in-Rente-3946521.html

Apple

Der Akkutausch kann doch teuer werden, denn Apple will alles anderes an einem iPhone auch repariert haben bevor man den Akkus für 29 Euro tauschen kann. 
https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/iPhone-Akku-fuer-29-Euro-Kleine-Schaeden-koennen-Austausch-viel-teurer-machen-3946325.html